{"id":2606,"date":"2009-11-29T10:26:03","date_gmt":"2009-11-29T09:26:03","guid":{"rendered":"http:\/\/blog.cronicaelectronica.org\/?p=2606"},"modified":"2017-01-09T12:39:48","modified_gmt":"2017-01-09T11:39:48","slug":"erotikon-reviewed-by-78s","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/blog.cronicaelectronica.org\/?p=2606","title":{"rendered":"\u00e2\u20ac\u0153Erotikon\u00e2\u20ac\u009d reviewed by 78s"},"content":{"rendered":"<p><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.cronicaelectronica.org\/img\/cat\/044-2009-b.jpg\" alt=\"Erotikon\" \/><br \/>\nDer Portugiese Jorge Mantas ist ein wahrlicher Laptop-Poet. Anstatt mit Worten sind seine Verse mit elegischen Drones geschrieben \u00e2\u20ac\u201c und die sagen mehr als so mancher Klassiker.<\/p>\n<p>Inspirieren l\u00c3\u00a4sst sich Mantas von Literatur, Malerei und Aktfotografie. Unter dem Pseudonym The Beautiful Schizophonic wurde vor sechs Jahren anstelle von Feder, Pinsel und Linse der Laptop zum Ventil der eigenen Leidenschaften.<\/p>\n<p>Schizophonie bezeichnet die Abspaltung eines Klangs von seinem urspr\u00c3\u00bcnglichen Kontext. Was fr\u00c3\u00bcher einzigartig und nur innerhalb des originalen Kontextes zu h\u00c3\u00b6ren war, ist inzwischen der Aufnahme und elektroakustischen Reproduktion ausgesetzt. Einerseits l\u00c3\u00b6st der im pittoresken \u00c3\u2030vora aufgewachsene Klangdesigner mit Field Recordings T\u00c3\u00b6ne aus der (Um)Welt und l\u00c3\u00a4sst diese nach seinem Gusto zu einer neuen verschmelzen. Andererseits werden im einzelnen Track Gef\u00c3\u00bchle und Visionen auf Festplatte gespeichert, die sich im Herzen nie wieder im Original abrufen lassen.<br \/>\nDer beliebig wiederholbare H\u00c3\u00b6rgenuss belebt aber Erinnerungen und erweckt immer wieder \u00c3\u00a4hnliche und neue Empfindungen. Was der Gesellschaftstheoretiker Walter Benjamin im Hinblick auf den Kultwert des Kunstwerks noch als Aura-Verlust empfunden h\u00c3\u00a4tte, wird f\u00c3\u00bcr Mantas im Zeitalter seiner technischen Reproduzierbarkeit zum kostbaren Gut.<\/p>\n<p>\u00e2\u20ac\u0153I dream you are a song\u00e2\u20ac\u009d \u00e2\u20ac\u201c Langsam changierender \u00c3\u201ether wird zum traumhaften Bild einer z\u00c3\u00a4rtlich die Seele streichelnden Geliebten, sanfte Drones werden zum Pendant einer (erotischen) Beziehung: Je mehr man sich darauf einl\u00c3\u00a4sst, desto tiefer, intensiver und erf\u00c3\u00bcllender wirken sie. Aber in der schnelllebigen Gegenwart reicht den Meisten halt auch ein oberfl\u00c3\u00a4chlicher, unverbindlicher Pop(p)-Quickie.<\/p>\n<p>Nach dem an Marcel Prousts \u00c3\u0153berwerk \u00e2\u20ac\u009dAuf der Suche nach der verlorenen Zeit\u00e2\u20ac\u009d angelehnten \u00e2\u20ac\u0153Musicamorosa\u00e2\u20ac\u009d (2007) l\u00c3\u00a4sst Mantas auf seiner pers\u00c3\u00b6nlichen Suche nach dem sentimentalen Kern der Musik auch ins neuste musikalische Gedichtband \u00e2\u20ac\u0153Erotikon\u00e2\u20ac\u009d ne Menge Emotion einfliessen. Organisch ineinandergewobene Drones erz\u00c3\u00a4hlen Feinf\u00c3\u00bchligeres als manch lyrischer Klassiker. Sie erz\u00c3\u00a4hlen keine fremden Geschichten, sondern erwecken im H\u00c3\u00b6rer eigene &#8211; auch wenn diese meist imagin\u00c3\u00a4r bleiben. <\/p>\n<p>Alles verliert sich also wieder in der nicht reproduzierbaren Fl\u00c3\u00bcchtigkeit des Moments, festgehalten nur in \u00e2\u20ac\u009da field recording of a dream\u00e2\u20ac\u009d &#8211; einem leise nachklingenden Tagtraum, der sich mit jedem H\u00c3\u00b6rdurchgang wandelt und aktualisiert. Jedenfalls sei The Beautiful Schizophonic \u00e2\u20ac\u0153romantic drone music for modern lovers\u00e2\u20ac\u009d &#8211; ahem, \u00e2\u20ac\u0153\u00e2\u20ac\u00a6loners\u00e2\u20ac\u009d. Ups, Freudscher Verleser? Auch gut.<\/p>\n<p>Beim Electronica-Label Cr\u00c3\u00b3nica kann man Mantas\u00e2\u20ac\u2122 verkannte Meisterwerke erstehen und vier l\u00c3\u00a4ngere \u00e2\u20ac\u02dcDronements\u00e2\u20ac\u2122 (Cronicaster 048, 027, 024, 010) kostenlos runterladen. Als H\u00c3\u00b6rexempel und Video gibt\u00e2\u20ac\u2122s eine (etwas voyeuristische) Ode an die bessere H\u00c3\u00a4lfte der Menschheit. <em>Marco Durrer<\/em><\/p>\n<p>via <a href=\"http:\/\/www.78s.ch\/2009\/08\/12\/poetische-dronerotik\/\">78s<\/a><\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.cronicaelectronica.org\/?p=buy\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/blog.cronicaelectronica.org\/wp-content\/uploads\/2009\/11\/banner_0950.jpg\" alt=\"2 x ONE \u00e2\u20ac\u201d Cr\u00c3\u00b3nica holidays promotion\" title=\"2 x ONE \u00e2\u20ac\u201d Cr\u00c3\u00b3nica holidays promotion\" width=\"260\" height=\"50\" class=\"alignnone size-full wp-image-2510\" \/><\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der Portugiese Jorge Mantas ist ein wahrlicher Laptop-Poet. Anstatt mit Worten sind seine Verse mit elegischen Drones geschrieben \u00e2\u20ac\u201c und die sagen mehr als so mancher Klassiker. Inspirieren l\u00c3\u00a4sst sich Mantas von Literatur, Malerei und Aktfotografie. 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