{"id":5517,"date":"2012-05-04T12:02:26","date_gmt":"2012-05-04T11:02:26","guid":{"rendered":"http:\/\/blog.cronicaelectronica.org\/?p=5517"},"modified":"2017-01-06T11:41:23","modified_gmt":"2017-01-06T10:41:23","slug":"untitled-284-reviewed-by-bad-alchemy","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/blog.cronicaelectronica.org\/?p=5517","title":{"rendered":"\u00e2\u20ac\u0153Untitled #284\u00e2\u20ac\u009d reviewed by Bad Alchemy"},"content":{"rendered":"<p><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.cronicaelectronica.org\/img\/cat\/066-2012-b.jpg\" alt=\"Untitled #284\" \/><br \/>\nEines muss ich L\u00c3\u00b3pez hier lassen. Die ruhigen, leicht omin\u00c3\u00b6s rauschenden Passagen dieses Soundscapes eigen sich gut, um dabei Baudrillard zu lesen. Sein Essay \u00c3\u00bcber &#8220;Die Gewalt im Bild&#8221; etwa. L\u00c3\u00b3pez zitiert daraus selbst den Satz: So kann man sagen, dass hinter jedem Bild etwas verschwunden ist (das macht ja gerade die zweideutige Faszination des Bildes aus: dass etwas in ihm verschwunden ist). Die Bilderst\u00c3\u00bcrmer hatten das sehr wohl begriffen, sie prangerten die Ikonen als eine Art an, Gott verschwinden zu lassen (aber vielleicht hatte Gott selbst beschlossen, hinter den Bildern zu verschwinden?). Dass er die &#8216;Lekt\u00c3\u00bcre&#8217; mehrmals ganz pl\u00c3\u00b6tzlich dramatisiert mit brausenden Turbulenzen, hebt nur das Verst\u00c3\u00b6rende an Baudrillards Gedanken \u00c3\u00bcber das &#8216;Verschwinden des Realen&#8217; hervor. Die Brisanz von S\u00c3\u00a4tzen wie: Obsz\u00c3\u00b6n ist alles, was \u00c3\u00bcberfl\u00c3\u00bcssigerweise sichtbar ist, ohne Notwendigkeit, ohne Wunsch und ohne Wirkung. Was den so knappen und so wertvollen Raum des \u00c3\u201eu\u00c3\u0178erlichen usurpiert\u00e2\u20ac\u00a6 Heute jedenfalls verschwindet nicht mehr Gott, sondern wir: Wir verschwinden hinter unseren Bildern. Niemand stiehlt uns mehr unser Bild oder entrei\u00c3\u0178t uns unser Geheimnis. Wir haben keins mehr. Was Baudrillard so spannend macht, ist letztlich sein konsequenter Remix von Nietzsches protopataphysischem Axiom: \u00e2\u20ac\u00a6denn nur als \u00c3\u00a4sthetisches Ph\u00c3\u00a4nomen ist das Dasein und die Welt ewig gerechtfertigt. Die Erkenntnis, dass das Imagin\u00c3\u00a4re, der kostbare Raum des blo\u00c3\u0178 \u00c3\u201eu\u00c3\u0178erlichen und Illusion\u00c3\u00a4ren, etwas Magisches leistet, n\u00c3\u00a4mlich das Reale und das Schlimmste als nie ganz sicher erscheinen zu lassen. Wenn wir die Bilder als Bilder entzaubern, sie reduzieren zu Abbildern, machen wir sie (und uns) zu Komplizen des Realen, des Elends, der Gewalt. Statt der Lebensfeindlichkeit in Todfeindschaft zu widersagen, wird daf\u00c3\u00bcr in &#8216;aufgekl\u00c3\u00a4rt zynischer&#8217; und &#8216;obsz\u00c3\u00b6ner&#8217; Verblendung geworben. Daher in seinem letzten Text &#8220;Warum ist nicht alles schon verschwunden?&#8221; noch einmal die Umwertung der Werte: Die &#8216;Agonie des Realen&#8217; ganz unnihilistisch zu begreifen als Notwendigkeit und umgekehrt die Fiktion, den Bereich reinen Scheins, als das &#8216;Rettende&#8217;. L\u00c3\u00b3pez jedenfalls regte die Lekt\u00c3\u00bcre zu einer seiner allerbesten Arbeiten an. [BA 73 rbd] <em>Rigobert Dittmann<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Eines muss ich L\u00c3\u00b3pez hier lassen. Die ruhigen, leicht omin\u00c3\u00b6s rauschenden Passagen dieses Soundscapes eigen sich gut, um dabei Baudrillard zu lesen. Sein Essay \u00c3\u00bcber &#8220;Die Gewalt im Bild&#8221; etwa. 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