Síria’s “Boa-Língua” reviewed by Musik an sich

Síria ist das Projekt der portugisischen Elektronik / Perkussionsmusikerin und Sängerin Diana Combo.

Boa-Lingua ist Ihr zweites Album nach dem 2016 erschienenen Debüt und ist eher zufällig entstanden, denn die Aufnahmen stammen von Übungen und Sessions, die nicht zwingend zu einem Album führen sollten.
Die Musik der Portugiesin ist ein dunkler elektronischer Soundscape. Drones drehen sich um sich selbst, wabernde Soundteppiche ziehen auf und eine melancholische Stimmung umkreist den Hörer. Allerdings arbeitet sie sehr akzentuiert. Hier ist nichts überladen, nein die Geräusche, Perkussionen und Sounds sind eher wie ein elektronischer Post Rock arrangiert. Die Stücke atmen alle sehr viel Luft, obwohl trotzdem am Ende ein dichter, den Hörer umspannender Sound entsteht.

Das liegt vermutlich an den ausgefeilten Arrangements der Stücke, die dem Hörer sehr viele Feinheiten zum Entdecken anbietet.

Gekrönt wird dieser spannende Sound durch den Gesang der Künstlerin. Dieser klingt sehr fremdartig, wird oft elektronisch verzerrt und unterliegt viel Hall und wirkt auf mich, der die Worte nicht verstehen kann, mehr wie ein zusätzliches Instrument. Das Timbre erinnert durchaus ein wenig an die große Lisa Gerrad die ebenso wie die fremdartigen Vocals durchaus auch an deren Band Dead Can Dance erinnert. 

Allerdings bewegen sich alle 9 Stücke im eher sakralen und düsteren Bereich, euphorische Klänge kommen hier nicht wirklich auf.

In Gesamtheit ist Boa-Língua eine sehr gelungene Kombination aus spannender (Post)Elektronik und fesselnder Gesangsarbeit. Musik wie Gesang zieht den Hörer, der sich auf diese Atmosphäre einlassen kann, tief in seinen Bann.

Eine solch ausgefallene Produktion erfordert natürlich auch eine ausgefallene Veröffentlichungsform. Entgegen dem Vinylboom hat man sich hier jedoch nicht für dieses Medium, sondern für das eigentlich längst vergessene Medium „Musikkassette“ entschieden. Das wird natürlich nicht zu einem Verkaufshit führen, aber dafür ist diese sensible und emotionale Musik sowieso nicht gemacht. Daher ist die wunderschön gemachte MC auf nur 100 Stück limitiert, für alle anderen Interessenten gibt es das Album als Download bei Bandcamp. Wolfgang Kabsch

via Musik an sich

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