“Positions” reviewed by Bad Alchemy

cronica097-2015_520
Musik wird meist als Kunst in der Zeit betrachtet, auch wenn manche sie ins Zeitlose zu dehnen versuchen und dann von ‘deep’ raunen oder von einem Theatre of Eternal Music. Wagner fand für das Zeitlose die Formel: Zum Raum wird hier die Zeit. Der Raum ist also mit im musikalischen Spiel, auch wenn die site-specific music davon nur den abgeschmacktesten Gebrauch macht. Mot der platten Suggestion, dass es auch in der Musik ein Oben und Unten, Nah und Fern gibt. Ja und? Dieser 1974 geborene Holländer hier lässt bei ‘Three Modulators’ einmal drei Posaunisten tutend ihren Spielraum ausloten. Und ein andermal drei Kontrabassisten ebenfalls weitgehend ad libitum einen sonoren Klangraum aussägen, betont knorrig, aber auch agil federnd mit klapprigen Effekten oder Pizzikatolauten. Da die Bassisten positioniert bleiben, ähnelt ihr Raum eher einer Blasenkammer, einem Aquarium, einer Voliere, einem Maschinenraum. Bei ‘Truth, exercise for a listener’ bilden dann die extraordinary Gentlemen Satie, Cage und Ferrari eine gemeinsame Zeitebene. In eine Gesellschaft, die über Musik smalltalk (und insofern keine x-beliebige und gänzlich unvorbereitete sein dürfte) mischen sich ein Posaunist, der monoton tutend umher läuft, und das modulierte Summen eines Kontrabasses. Zuletzt hört man Schritte auf einer Treppe und eine Frau beginnt durchdringend zu schreien. Das nicht als direkte Erfahrung, sondern als Positionskrampf im Dunkeln. ‘Branching into Others’ wird aufgeführt vom Ensemble Modelo62, das sich dabei im Muziekgebouw anaßt IJ verteilt hatte, um in einem schmalen, aber kraftvoll, genutzten Klangfenster strahlende Töne in den Raum zu stoßen, wobei vor allem Blechbläser und Akkordeon mit Metallicfarbtönen hervorstechen. Nacht gut zehn Minuten entsteht ein einziger schillernder Dauerton, der zuletzt zart behalt. ‘Positions, for those involved’ schließlich ist ein pfiffiges Spielchen für das Publikum selbst. Alle erhalten eise simple Opelanweisung, nach der sie dann pfeifend, blasend, trappelnd, hustend oder summend und dabei die Position wechselnd einem vielgliedrigen Klangkörper bilden. Sogar ein Hund pufft mot. Das geht über die Abkehr vom zentralperspektivischen hören nochmal deutlich hinaus. Liegt aber schon wieder im Trend, dass man immer mehr selber machen muss und einem unbezahlte Arbeit als Selbstbedienung, Spiel, Spaß und Freiheit untergejubelt wird.

This entry was posted in Reviews and tagged , . Bookmark the permalink. Comments are closed, but you can leave a trackback: Trackback URL.
  • Tags

  • Categories

  • Archives