“Nowhere: Exercises in Modular Synthesis and Field Recording” reviewed by Bad Alchemy


Smolders sieht sich durch jahrelange Zenübung vom niederländischen Planer zu Klangkalligraphen befreit. Ein Klangfluss kann sich nun in einem Zug entfalten, statt erst in akribischer Feilerei und Korrigiererei Gestalt anzunehmen. “Nowhere” spielt dabei schon auch irgendwo, ‘Incident at Ras Oumlil’ führt nach Marokko, irgendwo zwischen Guelmim und Tan-Tan. Aber es gibt Orte, an denen man zwischen ‘NowHere’ und ‘NoWhere’ schwer unterscheiden kann. Zudem sind Menschen wichtiger als Orte. Etwa der mit ‘For Rudy Carrera’ gewürdigte Blogger, der über Religion und das Leben als solches schreibt, auf “A Miscellany of tasteful…’ über Film, Literatur, Kunst und Musik und der mit Carrera-Linn Cultural Exchange (CLCX) sogar ein kleines Label betreibt. Oder die Filmemacherin Maya Deren, der Smolders mit ‘Song for…’ Tribut zollt. Seine ersten Klänge knattern wie ein Geigerzähler, dem Radioaktivität kleine Botschaften morst. Eigentlich viel zu harmlos, um die plötzliche Panik zu erklären, die Lautsprecherdurchsagen, die Evakuierung, die von Drones und tickenden Pixeln auch schnell kaschiert werden. Die Stimmen gehören wohl auch eher zu einem touristischen Spektakel, das Kraftwerk bei Sidi Boulbra ist immer noch Zukunftsmusik. ‘NowHere’ rät zu Vorsicht, vor dem Hund, vor der Bahnsteigkante, vor Billigfliegern, vor allem der Köter bleibt einem hartnäckig auf den Fersen, selbst als es regnerisch vom Himmel pixelt. Die Carrera-Hommage stapft in brummigen Tupfen voran, die hastig joggend überholt werden. Dann detonieren krass krachende Störungen, gefolgt von MG-Geratter. Ist das narrativ ? Es ist gar nicht so einfach, nichts zu sagen. Die verzerrenden Durchsagen, die wummernden Wellen, das sanfte Gedonge, der kristalline Klingklang, die ominösen Schübe, das brodelnde Prickeln und kuriose Trillern, das schrillend eskaliert, das flötende Getüpfel, das stimmhaft und mit Mundharmonika anschwillt oder spieluhrzahrt, zeitvergessen, ungezielt seinen Gang geht, all das spricht für sich.

This entry was posted in Reviews and tagged , . Bookmark the permalink. Comments are closed, but you can leave a trackback: Trackback URL.
  • Tags

  • Categories

  • Archives