“The Wayward Regional Transmissions” reviewed by Bad Alchemy

Wie abstrakt und digital zermahlen auch immer, Slavin macht hörbar, dass Israel auch ein orientalisches Land ist. Wesentlich für den Eindruck sind Samples der Bulbultarangspielerin Ahuva Ozeri, einer Oud und von ‘arabeskem’ Radiopopgedudel. Ozeri ist etwas besonderes, eine Virtuosin der indischen Brettzither, eine populäre Singer-Songwriterin der Musiqah Mizrahit, von ihrem Debut Hechan Hachayal 1975 bis zu Behibak & A Golden Key 2005, eine Frau, die sich in einer Männerdomäne durchsetzte. Aufgewachsen im Kerem Hateimanin-Viertel im Süden von Tel Aviv, pflegt sie den ‘souligen’, aber meist Männern vorbehaltenen traditionellen Klagegesang, der in Israel im Gegensatz steht zu Shirei eretz Israel und zum ‘Mediterranen’ Stil. Ein fundamentaler Ost-West-Gegensatz von Ashkenzi einerseits und yemenitischen, griechischen, arabischen, persischen und türkischen Wurzeln andererseits, der mit Zündstoff reich bestückt ist. Gerade Ozeris Instrumentalsound zu zermörsen, um seine ‘westliche’ und laptopelitäre Hightech-Muszak orientalisch zu würzen, zeugt für Slavins Sinn für Paradoxes. Er scheint aber solche Vexationen zu mögen. Luftaufnahmen von Haifa und der Judäischen Wüste als Illustrationen spielen nämlich ebenfalls mit einem Kippeffekt, dem von Blicken aus der Lufthansatouristenklasse und von den Satellitenphotos, die Raketenziele kartografieren. Wenn der Strand von Tel Aviv verlassen daliegt, dann nur wegen dem schlechen Wetter ? Slavins Klangbänder sind zithrig, zittrig, stottrig mäandernde, perkussiv vertrackte Projektionsfolien für gemischte Gefühle und gleichzeitig ein Postulat, mehr zu mischen – etwa zu einer Oriental Abstract Spiritual Music.

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