Síria’s “Boa-Língua” reviewed by African Paper

So wie einem die besten kreativen Gedanken oft beim Gehen oder in der Badewanne kommen, entstehen die Releases von Sängerin Diana Combo alias Síria meist als Nebenprodukte kleinerer Arbeiten, die ganz unerwartet ein Eigenleben erhalten. So wie sich ihr erstes Album aus einer Auftragsarbeit heraus verselbstständigt hatte, ist “Boa-Língua” das Resultat einer der Stimmübungen, die Combo regelmäßig aufnimmt, um die Resultate zu analysieren. Dabei greift sie oft auf bekannte Songs in ihrer portugiesischen Muttersprache zurück. Bei den letzten Sessions dieser Art sammelten sich eine Reihe von Songs an, die gerade wegen ihres provisorischen Charmes schon fast nach einem Coveralbum klangen. Dieses musste dann nur noch um die Gesangsspuren herum produziert werden und liegt nun vor.

Dass Combo theoretisch gefällige Singer Songwriter-Alben machen könnte, das vielleicht irgendwann auch mal zum Spaß machen wird, aber bis auf weiteres nicht will, weil sie das herausfordernde, immer noch sperrige in schönen Songs mag, merkt man auch hier wieder, und so hat gerade das leicht zusammengeschustert wirkende Konnex zwischen Gesang und Soundkulisse seinen besonderen Reiz. Im “Canção do Gato”, dem Katzenlied (für Hinweise zu den Originalen den unten eingebetteten Bandcamp-Link befragen), tritt ihre Stimme über mehrere Tonspuren in Dialog mit sich selbst, was auch a capella funktioniert hätte, doch die vorwärts und rückwärts eingespielten kratzenden und schabenden Loops sorgen für die betongraue Hintergrundfärbung, die den hellen Gesang umso deutlicher exponiert.

Die schwindelerregende Orchestralsounds von “Nos Montes” mit ihren aufgeklebten Trommelwirbeln wiederum lassen das ungekünstelte des Gesangs umso mehr durchscheinen, der sich zur düsteren Pauke des hörspielartigen “Danse Macabre” geradezu trunken gibt. Beim metallenen Klappern und Hämmern von “Belgian Shepherd” und “Yarin”, aber auch beim unbestimmten Rauschen und Knistern von “Senhora dos Remédios” kommt eine dezente Spannung zum Vorschein, der den bisweilen chorartigen Gesang wie aus einer verwunschenen Anderswelt herüberwehen lässt, so wie sich beides immer gegenseitig charakterisiert.

Combo sagt, dass sie das Studio gerne als Fluchtort vor dem allgegenwärtigen Sprachgewirr der sozialen Wirklichkeit aufsucht, als Ort, der keine Antworten verlangt. In ihren dort entwickelten Songs findet sich mehr von der Flucht als vom Ziel, was “Boa-Língua” spannend macht. Ich wäre aber auch gespannt zu wissen, wie ein geplantes Síria-Album klingen würde.

via African Paper

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