“Musicamorosa” reviewed by Bad Alchemy

Im Schatten blühen junge Mädchen pink ? Jorge Mantas jedenfalls ließ sich durch Proust inspirieren, untermischt mit von Tristesse und Abschied geprägten Liebesgeschichten von Poe bis Wond Kar-Wai, Mädchenbildern von Waterhouse und Rosetti bis Rohmer und Deville, aber auch den Erotika-Ikonen der Fotografen Guido Argentini und Roy Stuart. Mein erster Eindruck – Bilitis – war also gar nicht so abwegig. Ein Computermönch träumt von Sensuality & Sadness und schon treibt Sublimation delikate Blüten. Gefühlskritisch bekommt im Halbschatten einer künstlerischen Sensibilität gleich etwas Sublimes. Musik als Geliebte, umsponnen von einer Delectatio morosa, der Lust an sündigen Vorstellungen ? Fast alle Titel stammen aus Prousts Die Gefangene. Colleen spielt dazu La Lectrice und alles wird gleich “Pariserisch”. Nicht Lukas, der Hl. Antonius ist der Schutzpatron der Künstler. Das ist nicht halb so sarkastisch, wie Dionysius als Nothelfer gegen Kopfschmerzen. Ich schwanke, während Mantas mollige Drones mich umschweifen und verführerisch ihre Gestalt wechseln, zwischen Kopfzerbrechen und Gedankenverbrechen – wie denn auch anders, wenn eine Musik gleichzeitig so schön, fatal und schizophon daher kommt. Ach wie so schwelgerisch öffnet der Laptop seine Speicher, auf deren Grund man auf Wagners Liebestod und Debussy stoßen würde. Was gerade noch knirschte wie Sand oder schäumte wie die Brandung um Aphrodites Knöchel, ist nun blinkende Gitarre, dann wieder eingedampftes orchestrales Rauschen. Als Encore folgt ein ausführlicher Remix durch @c, schnüffelnd wie eine Maus, die rosige Nackedeis wittert.

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