“Three-Body Problem” reviewed by Amusio

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Das nunmehr sechzehnte Album der portugiesischen Klang-Extremisten @C fußt auf Agapornis, einem Stück des Marionettentheaters Porto, das sich 2014 dem Leben und Werk der Anaïs Nin widmete. Man wäre gerne dabei gewesen, das Dreikörperproblem des Albumtitels dürfte also metaphorisch zu verstehen sein. Dabei vollzieht sich das Album auf drei Ebenen: Als Bühnenmusik, als deren Rekomposition sowie als die Übertragung des Texts einer Sprechrolle in den rein musikalischen Ausdruck.

Ob sich beim Gedanken ans Marionettentheater nun Heinrich von Kleist, das Kölsche Hänneschen oder die Augsburger Puppenkiste vor dem geistigen Auge manifestieren, mag hinsichtlich der Einordnung und Bewertung von Three-Body Problem unerheblich sein. Zunächst ist die Sorgfalt spürbar, mit der hier zu Werke gegangen wurde, um einer seltenen Transferleistung zu genügen.

So anzunehmen ist, das die Abfolge der Tracks der Chronologie der drei Ebenen Folge leistet, darf ein zunehmend ausstaffiertes Agieren festgestellt werden. Lässt das erste Drittel von Three-Body Problem noch sämtliche Fragen (nach dem Bühnengeschehen) weitgehend offen, entwickelt das Album im weiteren Verlauf seine eigene Story. Und die hat es in sich, auch wenn die nun weiterhin stimulierten Assoziationsketten kaum ein Glied auf Anaïs Nin zu verschwenden scheinen.

Doch: Wie will man das wissen? Und wie kann man wissen, welcher Teleologie @C hier nun Folge leisten? Ohne Rücksprache bleibt das Urteil „l’art pour l’art“ eine potenziell einwandfreie Unterstellung. Profan gesprochen und gewertet bleibt der Hinweis auf eine in sich stets spannend inszenierte Auseinandersetzung mit Stille, Geräusch und Struktur noch der verlässlichste seiner Art. Stephan Wolf

via Amusio

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