“Lengvai / 60 x one minute audio colours of 2kHz sound” reviewed by Big Load

Das neue Doppelalbum des aus Litauen stammenden Sinuswellensurfers Gintas Kraptavicius beschränkt sich auf ein übersichtlich gehaltenes Sortiment an Ausgangsmaterial und liefert zwei gegensätzliche Entwürfe im kompromisslosen Umgang mit diesem . “Lengvai” ist dabei das am Reißbrett gefertigte Rhythmusmonster, das aus ultrapräzise strukturierten Kleinstbestandteilen eines reduzierten Clicks’n’Cuts-Sprachschatzes mittels hypnotischer Grooves und vorsichtiger Dramaturgie einen beeindruckend komplexen Post-Techno herausfräst. Dabei folgen die fünf Stücke dem Prinzip von kontinuierlich verlaufender Verdichtung – im Extremfall bis zum weißen Rauschen hin -, im Zuge derer noch einige mehr oder wenige schräge Melodielinien aus den überladen knisternden Elektrostatik-Texturen lugen. Im Gegensatz dazu wird auf der zweiten, recht treffend betitelten CD kein Spannungsaufbau in diesem Sinne betrieben. Alle Stücke sind klangfarbliche Variationen eines 2kHz-Sinustones von exakt einer Minute Dauer, von denen sechzig Stück in Form einer Dröhn-, Pfeif-, Puls-, Noise-Collage vorüber geführt werden. So begrüßenswert es prinzipiell ist, der Idee eine so konsequente Umsetzung zukommen zu lassen, so wenig ersprießlich ist letztendlich das Ergebnis. Der praktische Vorteil dieses Doppelpack soll dabei jedoch nicht verschwiegen werden: mit “Lengvai” als erlesenem Partygeber, gesellt sich der böse Zwillingsbruder nötigenfalls als zuverlässiger Rausschmeißer zu einem so gesehen schlüssigen Ganzen.

This entry was posted in Reviews and tagged , . Bookmark the permalink. Comments are closed, but you can leave a trackback: Trackback URL.
  • Tags

  • Categories

  • Archives